In memoriam Roland Engfer, 5. Dezember 1934 - 18. Oktober 2021

Roland Engfer

Wir trauern um unseren Kollegen, Freund und Mentor Roland Engfer, der am 18. Oktober im Alter von 86 Jahren verstorben ist.

Roland Engfer war von 1975 bis zu seiner Emeritierung 2001 Professor für Experimentalphysik am Physik-Institut der Universität Zürich.

Roland Engfer studierte, promovierte und habilitierte sich an der Technischen Universität Darmstadt bei Professor Peter Brix. Sein Interesse galt myonischen Atomen. Das sind exotische Atome, bei denen ein negativ geladenes Myon mit dem Kern ein wasserstoffähnliches System bildet. Die Spektroskopie exotischer Atome gibt Aufschluss darüber, wie im Atomkern Ladungen und magnetische Momente verteilt sind. Danach forschte er am CERN in Genf und am Paul Scherrer Institut (PSI, früher Schweizerisches Institut für Nuklearforschung SIN) und lehrte als Privatdozent an der ETH Zürich. 1975 wurde Roland Engfer als Nachfolger von Hans H. Staub zum ordentlichen Professor für Experimentalphysik an die Universität Zürich berufen.

Seine Forschungsgruppe in Zürich experimentierte am Paul Scherrer Institut. Die Gruppe konzentrierte sich zunächst auf die Teilchenemission nach dem Einfang von negativen Pionen in Kernen, ging aber bald dazu über, seltene und verbotene Myonenzerfälle als führendes Mitglied der SINDRUM I und II Kollaborationen zu untersuchen. Die meisten der damals beobachteten Grenzwerte für die Verletzung der Leptonflavour Zahl bestehen auch noch heute. Roland Engfer wurde so zum international hochgeschätzten Experten für exotische Atome und war Mitglied von vielen internationalen Forschungskommissionen.

Viele Jahre lang unterrichtete Roland Engfer mit Begeisterung klassische und moderne Physik für Universitätsstudenten. Als mitreissender Dozent begeisterte er die Studenten mit seinen spannenden und inspirierenden Vorlesungen und originellen Experimenten. Dabei gelang es ihm, dem Publikum die Fähigkeit zum Staunen und seine Faszination für die Erforschung fundamentaler physikalischer Fragen zu vermitteln. Roland Engfer war leidenschaftlicher Radfahrer, fuhr täglich mit dem Velo zum Campus Irchel, demonstrierte mit dem Mountainbike auf der Hörsaaltreppe Biomechanik und kämpfte als Vorsitzender der Betriebskommission der Universität Zürich erfolgreich für mehr Veloständer. Auch seine Erfahrungen als Bergsteiger flossen direkt in den Unterricht ein; beim Abseilen im Hörsaal konnten Reibung, Energieerhaltung und Wärmeentwicklung sehr anschaulich erklärt werden.

Roland Engfer leitete von 1993 bis 1999 als Direktor das Physik-Institut der Universität Zürich.

Die Universität Zürich, die Kolleginnen und Kollegen und die ehemaligen Studierenden verlieren in Roland Engfer einen inspirierenden Menschen und Lehrer, dem sie viel zu verdanken haben.

Forschung am Physik-Institut

Forschungsaktivitäten am Physik-Institut schliessen sowohl die experimentelle als auch die theoretische Physik ein. Einerseits befassen sich die Experimente mit biologischen Systemen, mit Nanometerstrukturen und Oberflächen, mit den fundamentalen Eigenschaften von Materialien und der Hochtemperatursupraleitung und werden dabei unterstützt durch Modellrechnungen aus der Theorie der kondensierten Materie. Andererseits werden Prozesse in der beschleuniger- und nicht-beschleunigerbasierten Elementarteilchen- und Astroteilchenphysik untersucht, begleitet von theoretischen Modellrechnungen zu fundamentalen Aspekten der Hochenergiephysik, zu Prozessen im Rahmen der Quantumchromodynamik und der allgemeinen Relativitätstheorie inklusive Gravitationswellen.

Schrödinger Gleichung

 

Erwin Schrödinger entwickelte seine berühmte Gleichung während seiner Zeit als Professor an unserer Universität. 1933 erhielt er für seine Leistung den Nobelpreis. Die Schrödingergleichung bildet unter anderem das Fundament der Atom- und Molekülphysik.